Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Die Allgemeine Situation der Kurden in Deutschland
2. Perspektiven und Aufgaben unserer Föderation
3. Das Arbeitsverständnis unserer Föderation
4. YEK-KOM und die Migrationsfrage
5. YEK-KOM und unser Sprachenproblem
6. Standpunkt zur Jugend, Ausbildung unserer Kinder, die Studierenden
7. YEK-KOM und die Annäherung an die Frauenfrage
8. Flucht
9. Arbeitslosigkeit
10. Standpunkt zur Rentenfrage
11. Investitionen und kurdische Unternehmer in Deutschland
12. Solidarität mit der Heimat
13. Rassismus
14. Internationalismus
- Das Arbeitsverständnis unserer Föderation
- YEK-KOM und unser Sprachenproblem
- Standpunkt zur Jugend, Ausbildung unserer Kinder, die Studierenden
- YEK-KOM und die Haltung zur Frauenfrage
Einführung
Bis 1960 kamen nur wenige Kurden und Kurdinnen nach Deutschland. Bei ihnen handelte es sich hauptsächlich um die Familien und Kinder finanziell gut gestellter Bürokraten und Feudalherren, die aus bildungsbedingten und politischen Gründen emigrierten. Zu einer massenhaften Migration kommt es jedoch erst in den Jahren nach 1960.
Wenn man die kurdische Migrationsbewegung nach Deutschland betrachtet, kann man von unterschiedlichen Migrationswellen reden, die durch unterschiedliche Migrationszeitpunkte und -gründe gekennzeichnet sind. Aber der eigentliche Grund für die Migration der Kurden nach Europa was stets die Tatsache, dass ihr Herkunftsgebiet gegen ihren Willen und auf Druck des westlichen Kapitalismus in vier Teile aufgeteilt worden war und das kurdische Volk seiner Freiheit und seiner Identität beraubt, einem unerträglichen nationalen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Druck ausgesetzt war.
Die politische Philosophie und offizielle Ideologie des neuen türkischen Staates, der nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs gegründet wurde, erklärte alle Völker, die auf anatolischem Boden lebten als Türken. Die Existenz von nicht türkischstämmigen Völkern wurde verleugnet. Mit dem Ziel diese rassistische Ideologie in die Praxis umzusetzen, rief der Begründer der neuen Republik, Mustafa Kemal, die ‚Türkische Geschichtsgesellschaft' ins Leben.
Ihre Aufgabe bestand darin, für die Punkte, an denen Gewalt nicht ausreichte, Methoden der Assimilierung zu entwickeln. "Die eigenen Identität zu vergessen" und "türkischstämmigen Völkern" zu werden, war die Devise, die womit hauptsächlich die Kurden gemeint waren, die in der offiziellen türkischen Terminologie "Bergtürken" hießen).
Im Laufe seiner gesamten Geschichte führte die türkische Republik mit Gewalt und einer Assimilationspolitik ein "weißes" Massaker durch. Der bekannte türkische Rassist Dr. Arin Engin (Saffet Engin) der auf Wunsch von Mustafa Kemal in dessen Kontingent aufgenommen wurde, erklärte: "Jetzt ist es unsere wichtigste Aufgabe, sie (die Kurden) mit dem Türkentum zu verschmelzen.
In den Grundschulen soll das nach der ‚Brovny'-Methode geschehen…Sie war die wichtigste Methode um den englischen Nationalismus in die Herzen zu pflanzen und die Einheit und Integrität Englands zu sicherzustellen. Sämtliche ausländischen Kinder wurden so angelisiert. Auch für uns ist es die einzige Möglichkeit, mit der wir den Minderheiten anderer Nationalität begegnen können. Auf diesem Weg werden wir die Kurden und andere osmanische Minderheiten assimilieren."
Die Erfahrung des türkischen Staates zeigt allerdings, dass trotz Arin Engin, trotz Gewalt und Assimilationspolitik die totale Vernichtung des kurdischen Volkes und der kurdischen Kultur nicht erreicht werden konnte. Aus diesem Grund wurde später neben der staatlichen Bildung, auch Vertreibung aus den Dörfern zu Unterstützung der Assimilation genutzt. Eigentlich war der Gedanke von Arin Engin nicht neu.
Der Widerstand und die Freiheitsbestrebungen der Kurden waren in der Geschichte der türkischen Republik nicht nur Massakern ausgesetzt, sondern wurden gleichzeitig von ihrem Land vertrieben. Was Hunderte Jahre praktiziert wurde, wird jetzt von einem Siedlungsgesetz geregelt. Und so werden die Menschen heute für den Bau eines Stausees aus ihren angestammten Gebieten vertrieben, um dem Staat die Fortführung seiner heimlichen Politik zu ermöglichen. In diesem Sinne sind Flucht und Migration für das kurdische Volk nichts Neues.
So gesehen hat Arin Engins Vorschlag der Zwangssiedlungspolitik der Vergangenheit (Binnenflucht=Verbannung) eine Neuerung gebracht. Die Besonderheit der neuen offiziellen Politik ist die Ausweitung des Fluchtgebietes der Kurden bis nach Europa. So schlägt Erin vor, die Kurden sollten aufgrund von wirtschaftlicher Not oder Naturkatastrophen wie z.B. Erdbeben nach Europa emigrieren.
Unmittelbar ach dem Erdbeben von Varto, bei dem über tausend Menschen ihr Leben verloten haben, erklärt Erin: Die Kurden sind SÜMER-ETI Türken. Wir sollten sie zerstreuen und allen voran nach Deutschland schicken. Im Osten werden wir Türken ansiedeln. Des Erdbeben ist die richtige Zeit dafür…Das Kurdentum wird ausradiert. Kurden sind Türken. Eine kurdische Rasse, eine kurdische Sprache, Geschichte und Philologie existieren nicht. Das Erdbeben ist der richtige Zeitpunkt, um die Kurden zu zerstreuen."
Es ist bekannt, dass dieser Vorschlag sofort in die Praxis umgesetzt wurde und als eine neue Assimilierungsmethode in die offizielle Staatspolitik aufgenommen wurde.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts gab es eine Massenmigrationsbewegung nach Deutschland. Als nach 1961 in Deutschland ein erhöhter Bedarf an ausländischen Arbeitskräften herrschte, kamen viele Kurdinnen und Kurden als Arbeiter hierher. Entgegen ihrer ursprünglichen Absicht, nach kurzer Zeit wieder in ihre Heimat zurückzukehren, ließen sich dann doch viele langfristig hier nieder. Mitte der 70er Jahre hatte sich ein Großteil der in Deutschland lebenden KurdInnen auf einen dauerhaften Aufenthalt eingerichtet, die Familien nachgeholt, die Kinder hier eingeschult und sich eine berufliche und soziale Existenz aufgebaut.
Die zweite große Migrationswelle von KurdInnen fand nach dem Militärputsch von 12.September 1980 statt. Die Ende der 60er Jahre aufkommende Ideologie von ‚nationaler Unabhängigkeit und Sozialismus' die auch in Kurdistan Fuß fasste und sich entwickelte, drängte den Einfluss des türkischen Staates zurück. In Kurdistan entstand so ein kraftvolles ‚Freiheitsbestreben'. Während des Putsches 1980 wurde Kurdistan erneut besetzt.
Im Rahmen dieser Okkupation sollten Revolutionäre und Patrioten jenseits jeglicher Grundlage vernichtet und ausgeschaltet werden. Festnahmen und Folter wurden Teil des Lebens vieler Menschen. Ein Großteil derer, die in dieser Situation das Land verließen, um zu überleben, kam nach Deutschland. Dieses Mal kamen die KurdInnen jedoch nicht mit dem Status von ‚Arbeitskräften' im Rahmen des deutsch-türkischen Abkommens, sondern sie waren ‚Flüchtlinge' gemäß der internationalen Konvention vom 28. Juli 1951.
Zur dritten großen Migrationswelle aus Kurdistan kam es nach 1993. Dieses mal kamen die KurdInnen, ebenso wie nach dem Militärputsch 1980, als ‚Flüchtlinge' nach Deutschland.
Nachfolgend die offizielle Bilanz der Opfer des von der Türkei geleugneten 15 jährigen Krieges:
Verluste beider Seiten in er Zeit von 15.August 1984 bis August 1999:
Aktionen/Operationen: 18274
Verluste auf türkischer Seite: 42500
Verluste auf kurdischer Seite: 6679
Verluste der KDP: 5315
Die Zahlen sind unserer Meinung nach ein eindeutiges Zeichen für die Dimension und die Beschleunigung des Krieges. Zwar gilt Krieg in einem Land laut der allg. Menschenrechtskonvention als Asylgrund, aber leider ist Deutschland bemüht, die Kurden trotzdem von dem Recht auf Zuflucht auszuschließen. Kurdische politische Flüchtlinge sahen sich massiven Abschiebungen ausgesetzt.
Durch die Sehildans, die kurdischen Volksaufstände in den Jahren 1990 bis 1993 wurden die Pläne des türkischen Staates zunichte gemacht. Gegen die massenhaften Aktionen der Bevölkerung war die Staatsmacht zuerst machtlos. Um die verlorene militärische Initiative zurückzugewinnen, begann der türkische Staat mit großen Massakern gegen die kurdische Bevölkerung vorzugehen.
Türkische faschistische Parteien zogen mit der Parole ‚Liebe die Türkei oder verlasse sie' durch die Dörfer und zwangen jeden, Einwohner dazu Dorfschützer zu werden. Diejenigen, die sich weigerten, hatten keine andere Wahl, als Haus und Hof zu verlassen. Heute wird offiziell anerkannt, dass durch diese Politik des türkischen Staates in Kurdistan bis 1997 etwa 4000 Dörfer verbrannt und zerstört und Tausende Intellektuelle und Patrioten von unterschiedlichen staatlichen Einheiten ermordet wurden.
I.
Es ist bekannt, dass nach der bewusst initiierten Vertreibung aus Kurdistan viele KurdInnen, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, nach Deutschland kamen um ihr Leben zu retten und um politisches Asyl zu beantragen. Wenn man die allgemeine Sozialisierungs- und Bildungssituation der zweiten und dritten Migrationswelle betrachtet, erkennt man, dass diese Gruppen den nach 1960 Gekommenen in vielen Punkten voraus sind.
Wenn man die Fluchtgründe der nach 1993 Vertriebenen betrachtet, wird deutlich, dass es sich um politisierte Menschen handelt die zum größten Teil der kurdischen nationalen Befreiungsbewegung nahe stehen. Die in Kurdistan praktizierte Vertreibungspolitik, die ein Leben dort unmöglich machte, führte zu einem Zustrom kurdischer Flüchtlinge in die Flüchtlingscamps und -heime in Deutschland. Durch die entsprechende Menge von Asylanträgen kam es zu einer Überforderung der hiesigen Gerichte.
Da die KurdInnen heute noch nicht offiziell als Bevölkerungsgruppe der ‚Kurden' anerkannt sind, haben sie natürlich kaum eine Chance sich in ihrer eigenen Sprache über die ihnen hier zustehenden Rechte und Möglichkeiten zu informieren. In dieser Situation ist es ihnen selbstverständlich auch schwer möglich, ihre demokratischen Rechte tatsächlich zu nutzen. Diese Umstände prägen heutzutage die Realität vieler kurdischer Menschen in Deutschland.
II.
Wenn man das Problem von der Migrationsseite betrachtet, kam man zusammenfassend sagen:
Am Anfang war hauptsächlich von einer aus jungen, gesunden, männlichen Arbeitern bestehenden homogenen kurdischen Arbeitergesellschaft die Rede. Jetzt, Jahre später nachdem die Arbeitergesellschaft sich auf einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland eingerichtet und seine Ehepartner und Kinder nachgeholt hat, ist aus ihr eine MigratInnengesellschaft mit vielen sozialen und Klassenunterschieden geworden.
Die homogene kurdische Gesellschaft in Europa heute:
alle Altersgruppen sind vorhanden
es besteht ein zahlenmäßiges Gleichgewicht der Geschlechter
es bestehen unterschiedliche Klassen und Schichten
in ihrer sozialen und politischen Handlung begann eine erstärkte Einflussnahme innerhalb Politik, der politischen Organisationen und der Gewerkschaften in den Aufenthaltsländern
Investitionen (besonders der Kauf von Immobilien) werden langfristig im Aufenthaltsland getätigt
Zukunftsplanungen finden ebenfalls vermehrt für des Aufenthaltsland statt.
Nicht nur für die MigrantInnen ergeben sich große Veränderungen nach der Migration, sondern auch für die Bevölkerung des jeweiligen Aufenthaltslandes. Max frisch hat es mit dem berühmten Satz: "Wir haben Arbeitskräfte gerufen, doch es kamen Menschen an" auf den Punkt gebracht.
III.
In Europa gibt es bei den Ländern, die Flucht anerkennen, keine ernsthaften Entwicklungen in der Flüchtlingspolitik.
Die ausländischen Arbeitkräfte werden als ‚Gastarbeiter' bezeichnet und in Ghettos gedrängt. Verschärft sich in die wirtschaftliche Krise in einer Region, wird zuerst versucht die am niedrigsten bewerteten Arbeitskräfte in ihre Heimatländer zurückzuschicken. Bis jetzt war diese Art der Politik jedoch nicht erfolgreich.
Seit vierzig Jahren bestimmt in Deutschland, das gleiche Ausländergesetz - mit geringen Änderungen- den rechtlichen und gesellschaftlichen Status der MigrantInnen, das schon zu Hitlers Zeiten in Kraft war.
Deutschland ist ein demokratischer Staat. Es ist bekannt, dass es hier eine entwickelte soziale Wohlfahrt, ein entwickeltes Sozialsystem, funktionierende Gesetze und eine in vielen Punkten sensible Öffentlichkeit gibt. Sieht man sich aber die tatsächliche rechtliche Lage der KurdInnen in diesem Land an, also ihnen tatsächlich zuerkannten Rechte, erkennt man einen deutlichen Widerspruch. Die Hauptursache hierfür besteht in der Tatsache, dass sich die deutsche Außenpolitik hauptsächlich an ökonomischen und finanziellen Interessen orientiert.
1. Die Allgemeine Situation der Kurden in Deutschland
Wenn man sich die Anzahl der in Deutschland lebenden MigrantInnen, ihren demographischen Aufbau, ihren Anteil an den Staatseinnahmen und an der gesellschaftlichen Produktion vor Augen führt, wird deutlich, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Nach den Angaben von 1977 (die sich bis heute fast unverändert sind) sind ein Drittel aller Metallgießer, ein Viertel der Arbeiter bei Daimler-Benz, ein Drittel der Arbeiter in den Kölner Fordfabriken und 90 Prozent der Reinigungskräfte der Stadt Köln ArbeitsmigrantInnen.
Es ist nicht leicht in dieser Größenordnung die Situation der Kurden zu erfassen. Das die KurdInnen in Deutschland, ebenso wie in ihrem Herkunftsland, nicht offiziell als ‚Kurden' anerkannt sind, gibt es heute keine genauen Angaben über die Zahl der hier lebenden KurdInnen. Aus der Volkszählung vom 31.12.1997 ergibt, dass sich die Zahl auf 750.000 belaufen müsste. Dabei wurde festgestellt, dass die Gesamtzahl der aus der Türkei stammenden Menschen 2.107.426 betrug.
Wenn man davon ausgeht, dass davon ein Drittel KurdInnen sind, liegt allein die Anzahl der aus der Türkei kommenden KurdInnen bei 700.000. Hält man sich darüber hinaus vor Augen, dass gerade nach 1980 hauptsächlich KurdInnen aus der Türkei nach Deutschland emigriert sind, wird klar, dass die von uns geschätzte Zahl nicht übertrieben ist. Zählt man die KurdInnen aus den anderen Regionen (Iran, Irak, Syrien) hinzu, kann man ziemlich genau sagen, dass heute rund 750.000 KurdInnen in Deutschland leben. Im Hinblick auf diese Zahlen, stellen also die KurdInnen, nach den Türken, in Deutschland die zweitgrößte Gruppe der Migranten.
Die in Deutschland lebende kurdische Gesellschaft weist aufgrund der sie charakterisierenden Struktureigenschaften deutliche Unterschiede zu den anderen MigrantInnengruppen auf. Wir wollen hier nur einige wesentliche Unterschiede darstellen.:
Erstens haben die MigrantInnen aus Kurdistan eine innigere Verbindung zu ihrer Heimat als andere MigrantInnengruppen. Daher beantworten sie die Frage nach "bleiben oder gehen" überwiegend mit dem Wunsch wieder in die Heimat zurückzukehren. Diejenigen, die die Frage mit "bleiben" beantworten, können die schwere Last dieses Gedankens etwas erleichtern, indem sie sich als ‚logistische UnterstützerInnen' des nationalen Befreiungskampfes Kurdistans ansehen.
Zweitens sind die Kurden nicht nur in Deutschland, sondern in Europa, die MigrantInnengruppe mit dem zahlenmäßig größten und dynamischsten Organisierungsgrad. Sie sind in der Lage, innerhalb kurzer Zeit große und begeisterte Massen zu mobilisieren.
Drittens existiert eine durch den nationalen Befreiungskampf, der sich unter großen Opfern entwickelt hat, eine von hoher Moral gekennzeichnete psychische Verfassung unter den KurdInnen. Sie erleben in Bezug auf das demokratische, gesellschaftspolitische System, das sie sich für ihr Land wünschen sehr schnell einen Bewusstseinswandel. Daher bilden sie die solide Basis der Aktivitäten für ihre Demokratieforderungen in Deutschland.
Viertens sind die Kurden ein Volk, dass, wenn es nach seinem freien Willen leben kann, sehr bemüht ist mit zu anderen Völkern Freundschaft und Solidarität aufzubauen. Die Kurden hatten in Kurdistan niemals Schwierigkeiten sich mit den Völkern der Region kulturell auszutauschen. Auf der einen Seite waren sie den anderen Kulturen gegenüber aufgeschlossen, auf der anderen Seite setzen sie die Weiterentwicklung ihrer eignen Kultur fort.
Obwohl der von der türkischen Regierung in Kurdistan geführte Krieg in der kurdischen Gesellschaft dazu geführt hat, dass das kurdischen Nationalbewusstsein in den Vordergrund getreten ist, konnten nationalistische Einflüsse in der kurdischen Gesellschaft keinen Einfluss gewinnen. Das kurdische Volk hat seine Gewohnheit und sein Verständnis mit anderen Völkern, und in erster Linie mit dem türkischen Volk, in freundschaftlicher Beziehung zu leben niemals aufgegeben.
2. Perspektiven und Aufgaben unserer Föderation
YEK-KOM verteidigt die demokratische Freiheit, die in der ‚Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte' und in anderer Abkommen ihren Ausdruck findet und arbeitet für seine Verwirklichung.
Die Philosophie der Arbeit der Föderation beruht maßgeblich auf den Artikeln 1, 2, 3 und 18 der ‚Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte'.
Drüber hinaus erkennen wir Artikel 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention³, Artikel 1 (Selbstbestimmungsrecht der Völker) und Artikel 3 (Gleichberechtigung der Geschlechter) des Pakts über wirtschaftliche, soziale und politische Rechte, Artikel 27 des Pakts über bürgerliche und politische Rechte und die Kopenhagener Kriterien, die die Bedingungen für einen Beitritt in die EU regeln, als den politischen Rahmen für unsere Arbeit an.
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Artikel 1
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.
Artikel 2
Jeder Mensch hat Anspruch auf die verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeine Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt oder sonstigen Umständen.(...)
Artikel 3
Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.
Artikel 18
Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden.
Europäische Menschenrechtskonvention
Artikel 14 (Verbot der Benachteiligung)
Der Genuss der in der vorliegenden Konvention festgelegten Rechte und Freiheiten muss ohne Unterschied des Geschlechts, der Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, politischen oder sonstigen Anschauungen, nationalen oder sozialen Herkunft, Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt oder des sonstigen Status gewährleistet werden.
Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (EU)
Artikel 1
(1) Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft diese Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.
(2) Alle Völker könne für ihre eigenen Zwecke frei über ihre natürlichen Reichtümer und Mittel verfügen, unbeschadet aller Verpflichtungen, die aus der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf der Grundlage des gegenseitigen Wohles sowie aus dem Völkerrecht erwachsen. In keinem Fall darf ein Volk seiner Existenzmittel beraubt werden.
(3) Die Vertragsstaaten, einschließlich der Staaten, die für die Verwaltung von Gebieten ohne Selbstregierung und von Treuhandgebieten verantwortlich sind, haben entsprechend der Charta der Vereinten Nationen die Verwirklichung des Rechts auf Selbstbestimmung zu fördern und dieses Recht zu achten.
Artikel 3
Die Vertragsstaaten verpflichten sich, die Gleichberechtigung von Mann und Frau bei der Ausübung aller in diesem Pakt festgelegten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte sicherzustellen.
Pakt über bürgerliche und politische Rechte (EU)
Artikel 27
Staaten mit ethnischen, religiösen oder sprachlichen Minderheiten darf Angehörigen solcher Minderheiten nicht das Recht vorenthalten werden, gemeinsam mit anderen Angehörigen ihrer Gruppe ihr eigenes kulturelles Leben zu pflegen, ihre eigene Religion zu bekennen und auszuüben oder sich ihrer eigenen Sprache zu bedienen.
Kopenhagener Kriterien
Das "politische Kriterium": Institutionelle Stabilität, demokratische und rechtstaatliche Ordnung, Wahrung der Menschenrechte sowie Achtung und Schutz von Minderheiten.
In einer Zeit, in der die Kurden daran arbeiten den Status einer Nation zuerkannt zu bekommen, will YEK-KOM dem kurdischen Volk mit seiner Arbeit Perspektiven anbieten. Die grundlegenden Ziele der Arbeit sind unter dem Punkt "Zwecke und Aufgaben der Föderation" in unserer Satzung definiert:
2.4. YEK-KOM setzt sich für das Zusammenleben der Migranten und Migrantinnen mit der deutschen Bevölkerung unter gleichen rechtlichen Voraussetzungen ein. Sie kämpft für die Durchsetzung der Prinzipien von Frieden und Freundschaft der Völker und die Verwirklichung des Friedens in Kurdistan.
2.5. YEK-KOM respektiert und verteidigt die universellen Prinzipien des Rechts, die Menschenrechte und Freiheit der Menschen. Sie erkennt die internationale Erklärung der Menschenrechte und alle in anderen Abkommen festgeschriebenen Rechte, insbesondere die Rechte für Frauen und Kinder, Flüchtlinge und Migranten und Migrantinnen an. Weiterhin verurteilt sie jegliche Art von rassistischer und sexueller Diskriminierung.
2.6. YEK-KOM versteht es als ihr Hauptziel, die kulturelle Identität und die religiösen und philosophischen Werte des kurdischen Volkes zu bewahren und zu fördern.
a) YEK-KOM setzt sich für die Befriedigung der kulturellen und sozialen Bedürfnisse der Kurden ein. Sie strebt deren Integration in die deutsche Gesellschaft unter Bewahrung der eigenen Identität an.
b) YEK-KOM tritt für die Anerkennung der Minderheitenrechte und die Freiheit der Identität ein. Sie setzt sich besonders für die Anerkennung der Minderheitenrechte für das kurdische Volk ein und organisiert Veranstaltungen, Konferenzen, Theaterstücke, Kurse, Seminare und führt Öffentlichkeitsarbeit durch, um die kurdische Kultur bekannt zu machen.
Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützt sie sowohl von Kurden als auch von Angehörigen anderer Nationalitäten durchgeführte kulturelle Aktivitäten (wie Musik und Folklore) und Veranstaltungen. Sie setzt sich ein für die Erziehung, vor allem kurdischer Kinder und Jugendlicher und tritt für kurdischen muttersprachlichen Unterricht in den Schulen ein.
c) YEK-KOM führt zum Zwecke der Beibehaltung, Aufrechterhaltung und Darstellung der kurdischen Kultur in der Öffentlichkeit wissenschaftliche Untersuchungen durch und lässt diese durchführen, gründet Akademien und Institutionen und beruft Kommissionen ein. Sie richtet darüber hinaus Stiftungen, Bibliotheken und Archive ein um die erarbeiteten Materialien zu erhalten und verbreiten.
2.7. YEK-KOM tritt für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen und Konfessionen ein und bemüht sich, mit besonderer Sorgfalt Vorurteile abzubauen. YEK-KOM setzt sich für ein dauerhaft friedliches Zusammenleben und für gegenseitige Toleranz ein. In diesem Sinne nimmt die Föderation Kontakt auf mit kulturellen und politischen Organisationen und Institutionen in Deutschland, die sich die demokratischen Werte zu Eigen machen und diese unterstützen.
2.8. YEK-KOM lehnt jede bevorzugende und benachteiligende Behandlung von Menschen aufgrund ihrer Rasse, Religion, Konfession, Sprache, ihres Geschlechts und Weltanschauung grundsätzlich ab. In besonderer Weise setzt sich die Föderation für die Rechte von Kindern und die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen ein und gründet eine Frauenkommission.
2.9. YEK-KOM arbeitet für eine gerechte und der Menschenwürde entsprechenden Lösung der durch das Heimatland oder durch das Migrationsland verursachten Probleme der Migranten und Migrantinnen aus der Türkei mit kurdischer, türkischer, tatarischer, georgischer, arabischer, lasischer, tscherkessischer oder anderer ethnischer Herkunft.
Die Föderation unterstützt die Einrichtung einer Institution zur Artikulierung der gemeinsamen Probleme. Um die kulturelle, soziale und politische Arbeit von Migranten- und Kulturvereinen zu fördern, unterstützt YEK-KOM besonders die Mitgliedsvereine, die sich mit der Lösung von sozialen Problemen befassen.
2.10. YEK-KOM wahrt die Interessen und Forderungen der Migranten und Migrantinnen aus der Türkei. Sie setzt sich für ein friedliches Zusammenleben der Migranten und Migrantinnen mit der Bevölkerung in Deutschland ein. Sie wehrt sich entschieden gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus und strebt ein dauerhaftes freundschaftliches und solidarisches Zusammenleben zwischen der deutschen und kurdischen Bevölkerung und anderen Migrantengruppen an.
2.11. YEK-KOM unterhält zu demokratischen Institutionen in der Türkei freundschaftliche Kontakte. Sie unterstützt Organisationen und Vereinigungen in der Türkei, die sich für die Schaffung fortschrittlicher und demokratischer Lebensbedingungen einsetzen. YEK-KOM setzt sich für die Einheit der kurdischen Gesellschaft ein.
Um ihre Ziele zu erreichen, zu verbreiten und zu entwickeln, richtet YEK-KOM Frauen-, Presse-, Bildungs- und Forschungsabteilungen ein. Darüber hinaus setzt sie Kommissionen ein, gründet Fonds, Stiftungen, Kooperativen, Institute, Bibliotheken und Begräbnisfonds.
YEK-KOM führt den Vorsitz über alle ihr angeschlossenen Vereine und Institutionen, die jeweils nur für ihren Zuständigkeitsbereich verantwortlich und nicht befugt sind, YEK-KOM und ihre Mitgliedsvereine betreffende Entscheidungen zu fällen bzw. Positionen zu beziehen. Sie arbeiten unter der Aufsicht des Vorstandes und können diesem oder der Delegiertenversammlung Vorschläge unterbreiten .
2.12 YEK-KOM arbeitet mit ihrer ganzen Kraft dafür, dass die kurdische Identität in der Türkei im Rahmen der türkischen Verfassung als legitimes Recht anerkannt und gewahrt wird.
Um dieses Ziel und die damit verbundenen Aufgaben zu erreichen, arbeitet YEK-KOM auf der Grundlage ihrer Satzung und des Arbeitsprogramms.
In einer Zeit, in der sich alles mit großer Schnelligkeit verändert, ist es unser Ziel, dem kurdischen Volk das gleiche Ansehen wie den anderen MigrantInnen zu verschaffen. Weiterhin gehen unsere Bestrebungen dahin, das soziale und wirtschaftliche Wohl der KurdInnen zu fördern und die kurdische Jugend zu Schul-, Hochschul- und Berufsausbildung zu motivieren. Wir wollen, dass Deutschland die kurdische nationale Identität anerkennt. Diese Ziele sind nur durch Integration zu erreichen.
Die Mitgliedschaft der Türkei in der EU bietet den KurdInnen neue Möglichkeiten. Unsere Föderation unterstützt dieses Abliegen. Wir verlangen, dass die Bundesrepublik Deutschland die Kopenhagener Kriterien, die sie der Türkei vorlegt, selbst einhält. Wir sind der Meinung, dass die Verbote kurdischer Organisationen, allen voran der PKK, aufgehoben werden müssen und in Zukunft von unzeitgemäßen Methoden Abstand genommen werden muss.
Die Mehrheit der in Deutschland lebenden KurdInnen sind entweder Mitglieder unserer Vereine oder unterstützen die Vereinsarbeit. YEK-KOM, die Föderation kurdischer Vereine in Deutschland, vertritt somit die Mehrheit der in Deutschland lebenden KurdInnen. Augrund der Erfahrung aus unser jahrelangen Arbeit, sind wir davon überzeugt, bei der Lösung der Probleme unseres Volkes behilflich sein zu können. Wir sind bestrebt, seine Wünsche und Forderungen wahrzunehmen und durchzusetzen.
Als größte kurdische Institution in Deutschland arbeitet YEK-KOM mit über sechzig kurdischen Vereinen zusammen. Durch unsere Aktivitäten im sozialen und kulturellen Bereich sowie in der Öffentlichkeitsarbeit vertreten wir Zehntausende hier lebender Kurdinnen und Kurden und setzen uns für ihre Interessen und Bedürfnisse ein. So beschäftigt sich unsere Föderation auch auf allen Ebenen mit den Fragen und Entwicklungen, die in Deutschland lebende KurdInnen betreffen.
Im Vergleich zu anderen hier lebenden Migrantengruppen sind mit der Lösung der kurdischen Frage mehrere Probleme verbunden. Das Hauptproblem liegt darin, dass die Kurden als Volk noch keine offizielle Anerkennung erlangt haben. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt in dem wirtschaftlichen und politischen Interessen Deutschlands gegenüber den Staaten, die Kurdistan okkupiert, besetzt und unter sich aufgeteilt haben. Ein Großteil der weiteren Schwierigkeiten ergibt sich wiederum aus dieser Nicht-Anerkennung.
In diesem Zusammenhang liegt die wichtigste Aufgabe unserer Föderation in dem Bemühen um eine offizielle Anerkennung der kurdischen Identität. Eine weitere Aufgabe sehen wir in der Zusammenarbeit mit anderen hier lebenden Volksgruppen für die Zuerkennung unserer demokratischen und legitimen Rechte. Dazu zählt auch die gemeinsame Arbeit zu den Themen Arbeitslosigkeit, Flucht und Asyl, Integration, Kinder, Jugend, Frauen, Rentner, Kampf gegen Rassismus, internationale Solidarität.
Unser Ziel ist es, ein Forum zu schaffen, in dem KurdInnen, MigrantInnen und Flüchtlinge aus anderen Volksgruppen und Deutsche gemeinsam diskutieren und Lösungen erarbeiten können. Unserer Ansicht nach ist es eine anti- bzw. undemokratische Herangehensweise, wenn man uns einerseits elementare Rechte vorenthält und andererseits fordert, dass die KurdInnen bzw. die Angehörigen anderer Volksgruppen ihrer Verantwortung nachkommen sollten. Wer die Rechte und damit auch den Willen anderer beschneidet oder nicht anerkennt, wer eine freie Meinungsäußerung einschränkt, sollte nicht von Verantwortung reden, der nachgekommen werden muss.
Unsere Föderation wurde im Einklang mit deutschen Gesetzen gegründet und bemüht sich, bei allen Entwicklungen hier im Land die Interessen iherer Mitglieder zu vertreten . Unser Hauptanliegen besteht darin in Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen die Probleme der KurdInnen im gegenseitigen Einvernehmen zu lösen und somit eine Verbesserung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens der hier lebenden KurdInnen zu erreichen.
Durch unsere Arbeit sind wir ein teil dieses Landes geworden, und mit der Lösung der von uns aufgeführten Probleme werden wir auch hier, wie schon in der Vergangenheit, zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen.
3. Das Arbeitsverständnis unserer Föderation
Unsere Föderation ist eine legale zivilgesellschaftliche Organisation mit einer anerkannten Satzung. Wir arbeiten entsprechend dem in der Satzung festgeschriebenen Arbeitsrahmen und -verständnis und lehnen jegliche Art von Gewalt grundsätzlich ab. Wir respektieren die Verfassung und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland. Unsere Föderation akzeptiert den Parlamentarismus in einer pluralistisch-demokratischen Gesellschaft als die geeignetste Regierungsform und unverzichtbare Basis für die Wahrung der elementaren Menschenrechte und Freiheiten.
Sie vertritt jedoch die Meinung, dass die vorhandenen Gesetze nicht für die Schaffung und Entwicklung des Wohlstandes der gesamten Gesellschaft ausreichen. Ausgehend von diesem Punkt bemüht sich unsere Föderation auf allen gesellschaftlichen Ebenen für eine Verbesserung, Aufhebung oder Erneuerung solcher Gesetze zu wirken, die bisher den gleichberechtigten Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen im Wege stehen.
Das Demokratieverständnis unserer Föderation beinhaltet eine Orientierung auf die Ausweitung der Rechte und Freiheiten, die der Demokratie und der Gesellschaft dienlich sind und den Widerstand, im gesetzlichen Rahmen, gegen Gesetze, die einer solchen Entwicklung entgegenstehen.
Unsere Föderation empfindet Rassismus, Faschismus und jegliche Art von Diktatur als eine Schande für die Menschheit.
Wir respektieren alle demokratischen Organisation, unabhängig von Nationalität, Religion, Kultur und politischer Ideologie und sind als Föderation bereit, mit demokratischen Institutionen, Initiativen und Personen zusammenzuarbeiten und Bündnisse einzugehen.
Im Rahmen ihres Programms legt unsere Föderation großen Wert auf die Kooperation und gemeinsame Projektarbeit mit allen demokratischen MigranInnenvereinigungen in Deutschland. Die Grundlage für diese gemeinsame Arbeite bilden gegenseitige Anerkennung, Offenheit und demokratische Rahmenbedingungen. Wir lehnen prinzipiell alle undemokratischen Methoden ab. Unsere Annäherungen an andere kurdische Organisationen und Institutionen folgen ebenfalls dieser Maßgabe.
4. Einwanderung / Migration
Unter Berücksichtigung der o.g. Umstände muss der sooft gebrauchte Begriff der "Anpassung" für die in Deutschland lebenden Kurden neu definiert werden: Sind die Deutschen dazu bereit, unter der Bedingung von Anerkennung und Förderung der kurdischen Kultur, mit den Kurden gemeinsam in Deutschland zu leben?
Das eigentliche Problem liegt hierbei in der Anerkennung einer multikulturellen Gesellschaft und der Beseitigung von Hindernissen bei der Integration von Menschen anderer Nationalität in die deutsche Gesellschaft.
Als YEK-KOM sind wir der Meinung, dass die Diskussionen zu diesem Thema zu oberflächig geführt werden. Egal aus welchem Blickwinkel man die Problematik betrachtet: Deutschland ist mit seiner heutigen Realität ein Einwanderungsland. Nach der Anerkennung der Identität und Kultur der MigrantInnen ist es deshalb notwendig, nicht nur ihre Verantwortlichkeit einzufordern, sondern gleichzeitig auch ihre Rechte neu zu festzulegen. Ein Ausländergesetz, das lediglich unsere Verantwortung definiert, ist unseres Erachtens weder humanitär oder demokratisch. Der Begriff ‚Ausländergesetz' für sich ist schon nicht zeitgemäß.
Wir fordern, dass die in Deutschland lebenden Migranten und Migrantinnen von den gleichen Rechten Gebrauch machen können wie ihre deutschen Mitbürger und Mitbürgerinnen. Auch fordern wir das aktive und passive Wahlrecht für MigrantInnen. Weiterhin sind wir der Meinung, dass die Öffentlichkeit auf die Aktivitäten für eine Aufhebung der Hindernisse hinsichtlich der Erlangung einer Aufenthaltserlaubnis oder einer Arbeitserlaubnis, der Durchführung muttersprachlichen Unterrichts und der Ausbildung einer kulturellen Identität aufmerksam gemacht werden muss.
Unsere Föderation vertritt den Standpunkt, dass eine Integration erst dann stattfindet, wenn die Verschmelzung verschiedener Gruppierungen ohne den Verlust der Eigenschaften des Einzelnen möglich ist. Hieraus folgt, dass Integration nur an einem Ort stattfinden kann, an dem mehr als eine Gruppe lebt.
Das deutsche Ausländergesetz strebt keine Integration der Ausländer an, sondern zwingt sie zur Assimilation. Der Widerstand gegen diese Assimilation, sowie der Kampf der MigrantInnen um Gleichberechtigung mit allen demokratischen Mitteln, ist eine Haltung, die geachtet und anerkannt werden sollte.
Das Bestreben der in Deutschland lebenden MigrantInnen wird seit Jahren durch die provokative Haltung verschiedener Kreise gehemmt, die gleichzeitig indirekt den Rassismus unterstützen und damit den Boden für unnötige Konflikte bereiten. Das Gegenmittel zu Rassismus ist nicht der Gedanke des "Übermenschen", sondern die Gleichberechtigung aller Menschen. Aus diesem Grund sind gesetzliche Regelungen der Gleichberechtigung, sowohl hinsichtlich ihrer Rechte als auch ihrer Verantwortung, die größte Niederlage für den Rassismus.
Es ist offensichtlich, dass die Integration der MigrantInnen nicht mit dem Verlust der deutschen moralischen Werte gleichzustellen ist. Im Gegenteil, es ist eine vielfältige Bereicherung auf beiden Seiten zu erwarten. Die Bewältigung von Konflikten und die Entwicklung auf allen Gebieten hat eine Gesellschaft mit reichen moralischen Werten zur Folge. Um die Misserfolge durch die den MigrantInnen seit Jahren in Deutschland aufgezwungene Assimilation zu überwinden, müssen die erforderlichen Gesetzesänderungen zur Festschreibung ihrer Rechte und Pflichten stattfinden.
5. YEK-KOM und unser Sprachproblem
In der Türkei werden, einschließlich der türkischen Sprache, insgesamt 26 unterschiedliche Sprachen gesprochen. Leider wurde mit der Gründung der Türkischen Republik und ihrer Leugnungspolitik die kurdische Sprache offiziell verboten.
Das Verbot, auf Bildung in der (nichttürkischen) Muttersprache, ist nicht nur ein Verstoß gegen die universellen Menschenrechte, sondern gleichzeitig der Versuch, eine Kultur bzw. ein Volk zu vernichten. Es ist historisch und soziologisch bewiesen, dass ein Volk, welches keine Möglichkeit hat, seine Sprache zu benutzen und sich darin weiterzubilden, im Laufe der Zeit einen Verlust seiner Identität erleidet. Die Strukturierung der Türkischen Republik ist genau auf diesem Ziel aufgebaut und beabsichtigt die zunehmende Einschränkung und schließlich die endgültige Auslöschung der kurdischen Sprache.
YEK-KOM betrachtet die freie Benutzung der kurdischen Sprache und den muttersprachlichen Unterricht als ein grundlegendes Arbeitsfeld. Ein gemeinsamer Grundsatz aller Institutionen und Organisationen unserer Föderation liegt daher in der Unterstützung und Förderung der kurdischen Sprache.
6. Standpunkt zur Jugend und zur Ausbildung unserer Kinder und
Jugendlichen
Wenn man sich die demographische Struktur der in Deutschland lebenden kurdischen Bevölkerung ansieht, fällt ein im Durchschnitt relativ niedriges Lebensalter auf. Die Jugendlichen stellen sowohl für die Kurden selbst, als auch für Deutschland ein wichtiges Potential dar. Bedauerlicher Weise gibt es keine staatlichen Bemühungen hinsichtlich der Anpassung des Bildungsstandarts und -niveaus der kurdischen Jugendlichen an das der deutschen Gleichaltrigen.
Die größte Schwierigkeit der kurdischen Jugend liegt in ihrem Bemühen, sich im Rahmen ihrer eigenen Kultur und nationalen Identität zu entwickeln und zu integrieren, ohne von der deutschen Gesellschaft assimiliert zu werden. Statt sich um eine Lösung dieses Problems zu kümmern, hat die deutsche Politik der letzten Jahre zu einer weiteren Ausgrenzung der kurdischen Jugendlichen aus der Gesellschaft geführt.
Es muss endlich erkannt und akzeptiert werden, dass eine Entwurzelung, eine Entfremdung der Jugendlichen von der Kultur und der Realität ihres Volkes, weder den Zielen der Politik noch denen der Gesellschaft dienlich ist. Es zeigt sich jetzt schon deutlich, dass eine falsche Politik und eine falsche Annäherung an derartige Probleme den Zusammenbruch und die Demoralisierung der Jugend mit sich bringt. Um dem entgegenzuwirken, müssen die Jugendlichen zuerst mit ihrer eigenen Identität akzeptiert und anerkannt werden. Wenn das geschehen ist, kann man beginnen, mit ihnen gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen.
Auch die Situation der kurdischen Kinder in Deutschland ist nicht zufriedenstellend. Da die Familien oft sehr groß sind, fehlt den Eltern häufig die Möglichkeit die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder ausreichend zu fördern. Hinzu kommen weitere Schwierigkeiten wie: die Arbeitssuche, die Suche nach ausreichendem Wohnraum und nach Institutionen, die die Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen und fördern können, Schul- und Bildungsprobleme, Sprachschwierigkeiten, die zu einer weiteren Erschwerung der schon vorhandenen bürokratischen Hürden beitragen, sowie die Unkenntnis des deutschen Bildungssystems. Hält man sich all diese Probleme vor Augen, verdeutlicht das unsere Situation ebenso wie die Schwierigkeiten mit denen unsere Kinder Tag für Tag konfrontiert werden.
Die Probleme beginnen jedoch schon vor dem Kindergartenalter, da viele Familien nicht in der Lage sind, ihre Kinder im häuslichen Bereich ausreichend zu fördern. Später fehlt den Eltern dann der Zugang zu Information über Möglichkeiten der Anmeldung in einem Kindergarten. Mit dem Schuleintritt setzen sich die Schwierigkeiten fort und häufen sich in den folgenden Jahren an, bis es eines Tages, in einigen Fällen zu einem ,Ausbruch' kommet.
Für uns als Föderation hat die Zukunft unserer Kinder einen besonders hohen Stellenwert. Wir setzen uns dafür ein, dass ausnahmslos alle kurdischen Kinder die Möglichkeit bekommen, einen Kindergarten zu besuchen. Ihnen muss eine gesunde Entwicklung, eine effektive Schulbildung und die Möglichkeit einer Berufsausbildung bzw. der Besuch einer Universität angeboten werden und sie müssen auf allen Ebenen Unterstützung erfahren.
7. YEK-KOM und die Annäherung an die Frauenfrage
Unsere Föderation erkennt die Befreiung der Frau als eine universelle Frage, und die Rolle der kurdischen Frau als einen wichtigen Teil davon an. In diesem Rahmen ist zu beachten, dass die in Deutschland leben kurdischen Frauen sich in einem wichtigen Kampf für ihre Befreiung befinden. Als Föderation möchten wir betonen, dass wir diese Bemühungen respektieren und mit all unseren Möglichkeiten unterstützen.
Unter den in Deutschland lebenden Kurden sehen sich die Frauen mit den umfangreichsten Problemen konfrontiert. Die Menschen, die als Gastarbeiter oder Einwanderer nach Deutschland emigriert sind, nehmen zwar am gesellschaftlichen Geschehen teil, jedoch fehlt ihnen die Organisierung, die für die Erlangung gleicher Rechte notwendig ist, denn die bestehenden Einwanderungsgesetze schränken ihre Möglichkeiten auf sozialer bzw. Arbeits- und Bildungsebene stark ein.
Die Frauen haben die Schwierigkeiten, die während der Integration entstanden sind, mit ihren eigenen Möglichkeiten gelöst. Weder die deutschen Institutionen haben den kurdischen Menschen bei der Lösung ihrer speziellen Probleme Hilfestellungen gewährt, noch konnten bislang kurdische Institutionen frauenspezifische Arbeit leisten. Deshalb wird unsere Föderation durch konkrete und spezifische Initiativen diese Frauen aus erster, zweiter und dritter Generation unterstützen. Für die Flüchtlinge, die nach 1990 nach Deutschland gekommen sind, stellen die deutsche Bürokratie und die Allgemeinbildung ein großes Problem dar.
Ein Nebeneffekt der unterentwickelten Wirtschaft Kurdistans ist der Analphabetismus, von dem ebenfalls überwiegend die Frauen geprägt sind. Als Folge davon, haben die Frauen auf sozialer und gesellschaftlicher Ebene kaum eine Initiative ergreifen können. In einem Land wie Deutschland, wo Technologie und Bürokratie sehr stark entwickelt sind, durchleben die kurdischen Frauen im sozialen und gesellschaftlichen Bereich eine Identitätskrise bis hin zu Persönlichkeitsspaltungen. Dies führt bei ihnen zu extremen psychosomatischen Erkrankungen.
Die meisten dieser Frauen kommen ursprünglich aus ländlichen Gebieten, wo gemäß der traditionellen Familienstruktur der Mann dominiert und die Frau ihm untergeben ist. Im Gegensatz dazu herrscht in Europa eine liberal-demokratische Kultur, mit der die kurdische Frau sich intensiv auseinandersetzen muss und in der sie große Schwierigkeiten hat, ihre eigene Identität zu finden.
Die Kinder, denen die Eingliederung und Adaptation in die hiesige Gesellschaft durch ihre Schulbildung erleichtert wird, drücken ihre Nichtakzeptanz der mütterlichen traditionellen Werte entweder durch Weglaufen vom Elternhaus oder ihrer Entfremdung gegenüber der Familie aus. Diese Situation erschwert den Druck, dem die Frau ausgesetzt ist, erheblich. Gleichzeitig verliert sie an Selbstbewusstsein, denn in der traditionellen kurdischen Familie genossen Frauen ursprünglich großen Respekt seitens ihrer Kinder. Viele Frauen suchen deshalb die Mitgliedsvereine unserer Föderation auf und bitten um Beratung.
Unsere Föderation glaubt fest an die bedeutende Rolle der Frau innerhalb der gesellschaftlichen Entwicklung und der Lösung der Identitätsfrage. Deshalb wurde auf dem 9. ordentlichen Kongress u.a. der Beschluss gefasst, sich intensiver mit der Frauenfrage zu beschäftigen.
In diesem Rahmen schenkt unsere Föderation der Entwicklung und dem Schutz ihrer Rechte besondere Aufmerksamkeit und fördert ihre aktive Teilnahme in unseren Vereinen. Auf allen Arbeitsgebieten gewährt unsere Föderation den Frauen prinzipiell Vorrang. Die Frauenkommission der Föderation sieht es als einen Lösungsweg, mit anderen kurdischen Frauenvereinen, -organisationen und -initiativen in Dialog zu treten und mit ihnen eine gemeinsame Arbeitsplattform zu gründen.
Wenn man bedenkt, dass es keine geeigneten Beratungsstellen für Frauen gibt die sich in einer wirtschaftlichen Abhängigkeit von ihren Männern befinden und die neben der Verantwortung in der Familie auch noch mit den Problemen ihrer Kinder konfrontiert sind, kann man ihre äußerst schwierige Situation nachvollziehen.
Ein gemeinsamer Grundsatz aller Institutionen und Organisationen unserer Föderation liegt in der Unterstützung und Förderung von Qualifizierung und Bildung der in Deutschland lebenden Kurdinnen. Sie sollen dazu ermutigt werden, ihre Töchter auf weiterführende Schulen zu schicken, eine Berufsausbildung zu absolvieren und am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Ein Prinzip unserer Föderation, ist es für das Erreichen der o.g. Ziele mit anderen Organisationen und Institutionen zusammenzuarbeiten.
8. Das Recht auf Zuflucht
Der Anspruch und das Recht auf politisches Asyl wurden in Deutschland erst in Folge des zweiten Weltkrieges gewährt. Dieses Recht wurde im Rahmen des Demokratie- und Freiheitskampfes der Menschheit erlangt und hat einen universellen Wert. Wenn man bedenkt, dass die Waffen, die gegen den Widerstands- und Freiheitskampf des kurdischen Volkes eingesetzt werden, hauptsächlich aus Deutschland und anderen westlichen Staaten stammen, so stellt das Recht auf Zuflucht in Deutschland den kurdischen Menschen gegenüber nichts anderes als eine Verantwortung dar.
Das Recht auf Zuflucht berechtigt jeden Menschen weltweit, der er aus politischen Gründen Unterdrückung und Folter oder anderen Grausamkeiten ausgesetzt ist oder aus diesem Gründen eine Einschränkung seiner Freiheiten erfährt, nach Deutschland einzureisen und hier das Bleiberecht zu erlangen. Als Föderation unterstützen wir dieses Recht. Selbstverständlich muss der Begriff der "politischen Begründung" bei der Anspruchstellung auf das Zufluchtsrecht richtig gedeutet werden.
Die Kurden werden in ihrem Lebensraum fast aller in der allgemeinen Menschenrechtskonvention erklärten Rechte beraubt. Diese Situation stellt für sich eine politische Tatsache dar. Deshalb sind wir der Meinung, dass das Recht auf Zuflucht nicht eingeschränkt sondern im Gegenteil weiter ausgebaut werden muss. Wir unterstützen alle Aktivitäten, die dieses Ziel anstreben.
Wir lehnen es ab, dass Flüchtlinge hier als potentielle Schuldige angesehen werden und in Sammelunterkünften unter begrenzten Möglichkeiten leben müssen. Wir fordern, dass allen Flüchtlingen, ebenso wie den anderen gesellschaftlichen Gruppierungen das Recht auf Arbeit gewährt wird.
9. Arbeitslosigkeit
Das Problem der Arbeitslosigkeit in Deutschland, berührt die hier lebenden MigrantenInnen besonders stark. Untersuchungen zufolge sind die KurdenInnen stärker als andere Volksgruppen betroffen. (Die Gründe hierfür wurden in dem Kapitel ‚Die Allgemeine Situation der Kurden in Deutschland' näher erläutert.) Dies hat zur Folge, dass die von Kurden geleistete Arbeit, für die deutsche Wirtschaft als unqualifiziert angesehen wird, was die schon bestehende Abwertung der kurdischen Bevölkerung noch weiter vertieft.
Wir sind als Föderation der Ansicht, dass eine produktive Beteiligung der Kurdinnen und Kurden auch auf wirtschaftlichem Gebiet erforderlich ist. Deshalb setzen wir uns für die Entwicklung spezieller Programme zur Qualifizierung von kurdischen Jugendlichen, Frauen und ungelernten ArbeiterInnen ein. Unsere Föderation könnte dazu Fachleute zur Verfügung stellen.
10. Die Rentenproblematik
Die Rentenproblematik wird in der ersten Generation der kurdischen MigrantInnen, die vor 40 Jahren als GastarbeiterInnen nach Deutschland kamen, ebenfalls aktuell. Es ist notwendig, dass die Altersversorgung der Menschen, die ihr ganzes Leben in Deutschland gearbeitet haben oder arbeiten, gesichert wird.
Unsere Föderation arbeitet darauf hin, dass die kurdischen Rentner auch von ihrem Anspruch auf Alters- und Gesundheitsversorgung, Sport, Erholung und Unterhaltung Gebrauch machen. Weiterhin streben wir die Ausbildung und den Einsatz von kurdischem Personal in diesen Bereichen an.
11. Kurdische Geschäftsleute und Investitionen
Unter den in Deutschland lebenden kurdischen MigrantInnen ist eine wachsende Neigung zur wirtschaftlichen Selbständigkeit zu beobachten. Diese Selbständigkeit beginnt mit kleineren Geschäften, wächst aber zu immer größeren Investitionen.
Unsere Föderation unterstützt den Eigentums- und Geschäftserwerb und versteht es als eine positive Entwicklung der kurdischen Wirtschaft, dass kurdische Geschäftsleute durch die Verbindung ihres Kapitals größere Investitionen tätigen. Diese Entwicklung verschafft darüber hinaus auch den kurdischen Arbeitslosen Arbeit und fördert die Ausbildung kurdischer Mitbürger.
Unsere Föderation setzt sich mit deutschen Organisationen in Verbindung, um die kurdischen Geschäftsleute u.a. bei der Gründung und Leitung von Gaststätten, Firmen etc. zu beraten und um angehende Geschäftsleute über das deutsche Steuerrecht und Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Unternehmen zu informieren.
12. Solidarität mit der Heimat
In der kurdischen Kultur wird das Verlassen der Heimat, egal aus welchen Gründen, als beschämend angesehen. Jeder Kurde, der sein Land verlassen hat, lebt mit dem Wunsch, eines Tages für immer in die Heimat zurückzukehren. Man kann den Kurden die Sehnsucht nach ihrer Heimat immer ansehen und davon ausgehen, sie mit ihren Gedanken stets in Kurdistan sind. Einen Beweis hierfür liefern die Aktionen und Reaktionen der KurdInnen hier in Deutschland bezüglich der Ereignisse in Kurdistan. Unsere Föderation fördert keineswegs das Auswandern, vertritt aber die Rechte der EinwandererInnen.
Ein weiterer Interessensbereich unserer Föderation liegt in der Schaffung der notwendigen Bedingungen für die Kurden und Kurdinnen, die in ihre Heimat zurückkehren möchten. An diesem Punkt verfolgt YEK-KOM alle Geschehnisse und Entwicklungen in Kurdistan aus nächster Nähe und solidarisiert sich auf allen Gebieten, die die Entwicklung der Demokratie, der Menschenrechte, der Gleichstellung und ein friedliches Zusammenleben unseres Volkes mit den anderen Völkern fördert.
Für die Erlangung dieses Ziels pflegen wir die Zusammenarbeit mit Gruppen aus der Türkei, dem Irak, Syrien, dem Iran und den kaukasischen Ländern, die das gleiche Ziel anstreben. Wir unterstützen alle Bestrebungen, die den Lebensstandart der in Kurdistan lebenden Menschen erhöhen. Hierzu gehören nicht nur die Deckung des finanziellen und personellen Bedarfs, sondern auch Investitionen, die den Arbeitsmarkt vergrößern und die Arbeitslosigkeit verringern, die Mittlerweile in eine Hungersnot führt.
13. Rassismus
Rassismus heißt alle Volksgruppen außer der eigenen als minderwertig anzusehen und sie entsprechend zu schikanieren. Mittlerweile hat der Rassismus auch auf kultureller Ebene eine Bewertung gefunden. Wenn man sich die Definition von Rassismus näher ansieht, wird man erkennen, dass das kurdische Volk zu den am meisten unter Rassismus leidenden Bevölkerungsgruppen zählt.
Auch in Deutschland werden wir auf Grund der kurdischen Sprache, Kultur und Nationalität mit rassistischem und ausgrenzendem Verhalten konfrontiert. Auf Grund politisch-rassistischer Annäherungen sind wir ständig mit dem Ausschluss aus der Gesellschaft konfrontiert. Da wir dieses Verhalten tagtäglich erfahren, kennen wir uns mit dieser Problematik sehr gut aus.
Wir sehen Rassismus nicht als ein Problem der Ausländer, sondern als ein Problem der deutschen Gesellschaft, welches u.a. aus einem mangelnden demokratischen Verständnis resultiert. Rassismus ist der gravierendste Faktor, der die gegenseitige Akzeptanz der verschiedenen Völker und damit ein friedliches Zusammenleben verhindert. Der Kampf gegen den Rassismus ist unserer Meinung nach gleichzustellen mit dem Kampf für Demokratie und Freiheit.
Deutschland ist de facto ein Einwanderungsland. In diesem Land leben Menschen unterschiedlicher Sprachen, Religionen, Kulturen und Hautfarben. Aus unserer Sicht ist dies eine positive Vielfalt für Deutschland. Die demokratischen Rechte und das Freiheitsniveau der Einwanderer sind einziger Maßstab für den Stand der Demokratie in Deutschland.
Unsere Föderation lehnt Rassismus rigoros ab und solidarisiert sich mit allen anti-rassistischen Organisationen, Institutionen, Vereinen und Personen, die die gleiche Position vertreten.
14. Internationalismus
Solange es auf der Welt Unterdrückung, Faschismus und Diktaturen gibt, wird der Kampf der Menschen für ein menschliches Leben weitergehen. Wir vertreten den Gedanken, dass jedes Volk ein Recht auf Demokratie, sowie auf das Ausleben und die Entwicklung der eigenen kulturellen und sozialen Werte hat. Es ist eine menschliche und demokratische Aufgabe, uns mit Gruppen und Menschen zu solidarisieren, die in Deutschland unterdrückt werden.
Für die Beseitigung der Vorurteile zwischen den Nationen, für das Kennenlernen und die Verständigung der verschiedenen Kulturen, was den gemeinsamen weltlichen Wert darstellt, sowie die hieraus resultierende Verständigung und das friedliche Zusammenleben der Menschen unabhängig von Geschlecht, Nation und Kultur ist unsere Föderation bereit, mit allen demokratischen Organisationen, Institutionen, Vereinen und Personen zusammenzuarbeiten.
Dieses Arbeitsprogramm wurde auf dem Kongress am 20. Juli 2003 in Troisdorf gestaltet/unter Beschluss genommen.
Das Arbeitsverständnis unserer Föderation
Unsere Föderation ist eine legale zivilgesellschaftliche Organisation mit einer anerkannten Satzung. Wir arbeiten entsprechend dem in der Satzung festgeschriebenen Arbeitsrahmen und -verständnis. Wir respektieren die deutsche Verfassung und die Gesetze. Unsere Föderation akzeptiert den Parlamentarismus in einer pluralistisch - demokratischen Gesellschaft als die geeigneteste/ am meisten geeignete Regierungsform und unverzichtbare Basis für die Wahrung der elementaren Menschenrechte und Freiheiten. Sie vertritt jedoch die Meinung, dass die vorhandenen Gesetze nicht für die Schaffung und Entwicklung des Wohlstandes der gesamten Gesellschaft ausreichen.
Aus dieser Überzeugung heraus bemüht sich unsere Föderation, auf allen Ebenen der Gesellschaft für eine Verbesserung, Aufhebung oder Erneuerung der Gesetze zu wirken, die bisher den Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten der Gesellschaft im Wege stehen. Das Demokratieverständnis unserer Föderation beinhaltet eine Orientierung auf die Stärkung und Ausweitung der Rechte und Freiheiten, die Demokratie und der Gesellschaft dienlich sind. Unser Demokratieverständnis beinhaltet aber gleichermaßen den Widerstand, im gesetzlichen Rahmen, gegen Gesetzte, die einer solchen Entwicklung entgegenstehen.
Unsere Föderation empfindet allen voran ethnische und geschlechtliche Trennung, Faschismus, Nationalsozialismus und jegliche Art von Diktatur als eine Schande für die Menschheit.
Wie in der Satzung festgeschrieben, arbeitet unsere Föderation auf einer demokratischen Basis.
Wir respektieren jede demokratische Organisation mit einer Linie der / für Menschenrechte unabhängig von Nationalität, Religion, Kultur und politischer Ideologie. Ohne von diesem grundlegenden Prinzip abzuweichen, sind wir als Föderation bereit, mit allen demokratischen Institutionen, Initiativen und Personen unter freien Bedingungen zusammenzuarbeiten und Bündnisse einzugehen.
Unserer Föderation ist im Rahmen unseres Programms die Zusammenarbeit mit allen demokratischen deutschen und Migranteninstitutionen sehr wichtig. Für uns ist es in Zukunft von großer Wichtigkeit vor allem mit den demokratischen deutschen und türkischen Institutionen noch breiter / intensiver zu kooperieren. Die Basis für diese Zusammenarbeit sind gegenseitiger Respekt, Offenheit und demokratische Regeln.
Als YEK-KOM lehnen wir prinzipiell jegliche Art von Zwang und undemokratischen Methoden ab. Mit denselben Werten nähern wir uns auch allen anderen demokratischen kurdischen Institutionen und Vereinigungen. Wir respektieren die Existenz jeder demokratischen Institution und sind jeder Zeit bereit im Rahmen konkrete Projekte in Anlehnung an / passend zu unseren Prinzipien zur Zusammenarbeit bereit.
YEK-KOM und unser Sprachenproblem
In der Türkei werden einschließlich Türkisch 26 Sprachen gesprochen. Doch aufgrund der leugnenden Haltung in der Entstehung / Entwicklung der Türkischen Republik wurde seit der Entwicklung / Entstehung des neuen Staates Kurdisch offiziell und de facto / praktisch verboten. Dass diejenigen Staatsbürger der Türkischen Republik, die eine andere Muttersprache als die Türkische haben, ihre Muttersprache in den Erziehungs- und Bildungszentren/ Institutionen nicht lernen können, ist nicht nur eine Rechtsverletzung, die Anwendung eines an der Spitze der weltweit gültigen Menschenrechte stehenden Rechtes zu verbieten.
Es ist gleichzeitig auch ein gegen eine Kultur und eine Nation gerichteter weißer Genozidversuch.
Es ist eines der einfachsten / banalsten Realitäten / Wahrheiten der Geschichte und der Soziologie, dass die Völker, denen die Wahrung und Entwicklung ihrer Sprache verwehrt wird, zunehmend vernichtet werden / verschwinden / untertauchen. Der auf dieses Ziel ausgerichtete Aufbau der Türkischen Republik birgt selbstverständlich das Risiko zunächst Kurdisch / die kurdische Sprache einzuengen und schrittweise / dann zu vernichten.
YEK-KOM stellt sich sowohl in seinen eigenen Institutionen als auch bei allen nach außen gerichteten Aktivitäten die Freiheit der kurdischen Sprache und das Erringen des Rechts auf Unterricht in der Muttersprache als grundlegendes Arbeitsgebiet und Ziel. So werden die Arbeiten für eine Ausbreitung der Anwendung der kurdischen Sprache und seine Weiterentwicklung in allen unserer Föderation angehörenden Institutionen die Hauptaufgabe sein.
Standpunkt zur Jugend, Ausbildung unserer Kinder, die Studierenden
Wenn man den demographischen Aufbau der in Deutschland lebenden kurdischen Gesellschaft analysiert, wird man sehen / feststellen, dass sie im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung eine junge Menge / Bevölkerung darstellt. Diese Jugend ist sowohl für die Kurden als auch für Deutschland ein wichtiges Potential. Leider / Mit Bedauern sieht man keine Bemühungen seitens des Staates hinsichtlich des Bildungswesens für dieses / dieses Potentials und der Möglichkeit die bereits von deutschen Jugendlichen erreichten Standart zu erlangen.
Das wichtigste Problem unserer Jugendlichen besteht darin, sich mit ihrer eigenen Identität und Kultur zu entwickeln und so mit der deutschen Kultur ohne Assimilationszwang, in einer multikulturellen Gesellschaft mit den anderen Kulturen in Harmonie leben zu können. Anstatt Schritte für die Lösung dieses Problems einzuleiten, haben alle bisher eingesetzten politischen Praktiken dazu gedient die kurdischen Jugendlichen noch mehr von der Gesellschaft zu isolieren.
Daher ist es offensichtlich, dass die Politik, unserer Jugendlichen von ihrer Heimat zu lösen und von ihrer Volksrealität zu entfremden, niemandem nutzen bringt und in diesem Sinne eine Politik entwickelt werden muss. Es ist zu sehen, dass bei der in Europa lebenden kurdischen Jugend durch die falsche Politik und Haltung eins Verwesung und Degeneration zu sehen ist. Dieser Verwesung und Degeneration vorzubeugen, ist möglich, indem man sie mit ihrer Identität akzeptiert, sie kennen lernt und mit ihnen zusammen nach Lösungswegen sucht.
Auch die Situation der kurdischen Kinder in Deutschland ist nicht zufriedenstellend / befriedigend. Aufgrund der großen Familien ist es den Eltern nicht möglich sich ausreichend mit der individuellen Entwicklung der Kinder zu befassen. Wenn auch noch das Fehlen einer Wohnung von / in geeigneter Größe, Arbeitslosigkeit, fehlende Möglichkeit einer Unterstützung von / durch verschiedenen Institutionen zur Entwicklung der Kinder, fehlende ..... der Schul- und Bildungsfrage hinzukommen, dann sind die Schwierigkeiten, denen die Kinder ausgesetzt sind / die die Kinder erleben, noch verständlicher. Unter diesen Bedingungen wird es für sie noch schwieriger das komplexe Schulsystem Deutschlands und ihre Probleme hinsichtlich der Bildung zu sehen / erkennen.
Hinzu kommt, dass die kurdischen Familien all diese Probleme durch den Gebrauch einer Sprache, die sie nicht vollständig sprechen können, beseitigen / angehen müssen. So ergeben sich bereits vor dem Kindergarten in der Erziehung, die von den Eltern vermittelt werden sollte, Defizite und Probleme. Diese Probleme / Schwierigkeiten setzten sich in die / der Unkenntnis über den Kindergartenbesuch ihrer Kinder fort und diese Probleme / Schwierigkeiten kommen zunehmend in den Schulen zum Vorschein. In / nach einem bestimmten Alter explodieren diese Probleme mit all ihrer Wucht.
Unsere Föderation legt besonders Wert auf die Kinder und Jugendlichen, da sie diese als die Zukunft unseres Volkes sieht / betrachtet. Daher gehört es zu unseren wichtigsten Aufgaben, dafür zu sorgen / uns dafür einzusetzen, dass alle kurdischen Kinder ohne Ausnahme den Kindergarten besuchen.
Unsere Föderation unterstützt und fördert / regt die gesunde Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen, ihren Erfolg in der Schulbildung, ihre Berufsausbildung und ihr Studium an und lenkt die Vereinsarbeit so, dass dieses Ziel zugänglich wird.
YEK-KOM und die Haltung zur Frauenfrage
Unsere Föderation akzeptiert die Frage der Freiheit der Frau als eine (evrensel- den Kosmos betreffende Frage, alles in sich einschließend) Frage und die Frage der Freiheit der kurdischen Frau als einen Teil davon. In diesem Rahmen wird die Tatsache, dass auch die kurdischen Frauen in Deutschland am Befreiungskampf / Kampf um Freiheit beteiligt sind, als eine wichtige Entwicklung bewertet. Unsere Föderation sieht es als Prinzip / Es ist ein Prinzip unserer Föderation den Kampf der Frauen für Gleichberechtigung / Gleichheit und Freiheit mit Achtung zu begegnen und mit all ihren Mitteln zu unterstützen.
Die Probleme der kurdischen Frauen in Deutschland sind schwer(wiegender), anders und größer als die Probleme, denen die Kurden generell gegenüberstehen/ mit denen die Kurden generell konfrontiert sind. Der Anteil der nach Deutschland gekommenen Menschen nimmt zwar seinen Platz im gesellschaftlichen Räderwerk (carki) ein, doch ist nicht hinreichend organisiert um gegen die Ausländergesetze, die im Hinblick auf Soziales, Arbeit, Bildung und Wirtschaft hinderlich sind, die gleichen Rechte zu schützen / wahren und weiterzuentwickeln.
Die Frauen dieses Personenkreises hat die auf Anpassung bezogenen Probleme mit ihren Mitteln gelöst. Nicht nur die deutschen Institutionen konnten bei diesen speziellen Problemen der Kurden nicht hilfreich sein, sondern auch die kurdischen Vereine haben in der Vergangenheit keine gesonderte Arbeit für die Frauen geführt.
Düsseldorf, 2008